Das Forum Boarium

Das Forum Boarium zählte bereits in archaischer Zeit zu den wichtigsten Handelsplätzen Roms. Begünstigt durch eine flache Tiber-Furt und die Anbindung an das regionale Straßennetz entwickelte sich das Areal rasch zum zentralen Vieh- und Handelsmarkt der Stadt. Seine wirtschaftliche Bedeutung verdankte es der Nähe zu den ursprünglichen Hafendocks Roms und zur Pons Aemilius, der ersten steinernen Tiberbrücke. Zugleich war das Forum ein bedeutendes religiöses Zentrum, wovon bis heute der Tempel des Hercules Victor, der Tempel des Portunus, der Janusbogen und der Argentarierbogen zeugen. Berühmt wurde das Forum Boarium zudem als Schauplatz des ersten überlieferten Gladiatorenkampfes Roms im Jahr 264 v. Chr.


Das Forum Boarium war für Reisende der Grand Tour besonders eindrucksvoll, weil hier antike Bauwerke in ein belebtes zeitgenössisches Stadtviertel eingebunden waren. Die ehemaligen Tempel des Hercules Victor und des Portunus waren seit dem Mittelalter zu Kirchen umgewandelt worden; durch die Einbauten zwischen den antiken Säulen wirkten sie im 18. Jahrhundert kaum noch wie klassische Tempel, sondern wie christliche Sakralbauten. Die Radierungen von Giovanni Battista Piranesi fangen diesen hybriden Reiz meisterhaft ein: Sie zeigen das lebendige Alltagsleben inmitten der verbauten Monumente und prägten damit das romantische Bild Roms in der Epoche maßgeblich. Ein weiterer Anziehungspunkt war die Bocca della Verità in der Vorhalle von Santa Maria in Cosmedin: Die antike Marmormaske, vermutlich ursprünglich ein römischer Kanaldeckel, wurde erst durch eine spätere Legende berühmt, nach der sie Lügner erkennt und ihnen symbolisch die Hand „abbeißt“.


Wer heute vom Circus Maximus hinab zum Tiber spaziert, ahnt kaum, dass sich zwischen den modernen Straßen, Kirchen und antiken Tempeln einst einer der bedeutendsten Wirtschaftsräume des frühen Rom befand. Das Forum Boarium war kein Forum im späteren repräsentativen Sinne des Forum Romanum, sondern ein Handelsplatz von elementarer Bedeutung: Hier wurde Vieh verkauft, hier entluden Händler ihre Waren, hier trafen Fernhandel, lokale Landwirtschaft und religiöses Leben unmittelbar aufeinander. Lange bevor Rom zum Zentrum eines Weltreiches wurde, schlug am Forum Boarium bereits das wirtschaftliche Herz der Stadt.

Pieter van Bloemens Gemälde „Viehmarkt vor dem Vestatempel“ von 1694 zeigt den Bereich des antiken Forum Boarium am Tiber, einen der ältesten Handels- und Marktorte Roms. Im Mittelpunkt steht der runde Tempel des Hercules Victor, der in der Frühen Neuzeit meist als „Vestatempel“ bezeichnet wurde. Zwar war das Forum Boarium zur Entstehungszeit des Bildes längst nicht mehr der große Viehmarkt der römischen Republik, doch blieb das Viertel ein traditionsreicher Ort des Handels. Van Bloemen verbindet diese Atmosphäre mit einer idealisierten Vorstellung des antiken Rom: Hirten, Händler und Tiere beleben die Ruinenlandschaft und machen den Ort zu einer pittoresken Bühne der Grand Tour. Das Bild zeigt damit weniger eine exakte Momentaufnahme als vielmehr eine romantisch überhöhte Erinnerung an Rom zwischen Antike und Gegenwart. © Bild: Wikimedia Commons

Ein Markt an der Furt des Tiber

Die Geschichte des Forum Boarium beginnt mit der Geographie. Am westlichen Rand der frühen Stadtlandschaft befand sich eine flache Stelle des Tiber, die sich als natürliche Furt eignete. Hirten trieben hier ihre Herden über den Fluss, Händler nutzten den Übergang für den Warentransport, und frühe Verkehrswege bündelten sich an diesem strategischen Punkt zwischen Kapitol, Palatin und Aventin.


Der Name „Forum Boarium“ verweist unmittelbar auf diese Funktion. Das lateinische Wort bos bedeutet Rind; ursprünglich handelte es sich also um einen Viehmarkt. Doch schon früh entwickelte sich daraus weit mehr als ein regionaler Umschlagplatz. Die Nähe zum Portus Tiberinus, den frühen Hafendocks Roms, machte das Gebiet zu einem Knotenpunkt des Handels. Waren aus Etrurien, Latium und dem Mittelmeerraum gelangten über den Fluss in die Stadt, wurden hier umgeladen, verkauft oder weitertransportiert.


Mit dem Ausbau der Pons Aemilius, der ersten steinernen Brücke über den Tiber, gewann das Gebiet zusätzlich an Bedeutung. Die Brücke verband das Handelsviertel mit den westlichen Uferzonen und erleichterte den Warenverkehr erheblich. Wirtschaftlicher Aufstieg, Infrastruktur und geographische Lage wirkten am Forum Boarium in einzigartiger Weise zusammen.

Das Forum Boarium als Kultort: Wo Handel und Götterglaube verschmolzen

Das Forum Boarium war im antiken Rom nicht nur ein bedeutender Handels- und Hafenplatz am Tiber, sondern zugleich ein zentraler Kultort. Wirtschaft, Religion und öffentliches Leben waren hier eng miteinander verbunden: Händler opferten vor wichtigen Geschäften, Hafenarbeiter baten um Schutz für ihre Transporte, und wohlhabende Kaufleute stifteten Tempel aus Dankbarkeit für ihren Erfolg.


Die religiöse Bedeutung des Ortes reicht vermutlich bis in das 8. Jahrhundert v. Chr. zurück. Funde griechischer Gefäße deuten darauf hin, dass sich hier früh die Ara Maxima Herculis befand – ein großer Altar des Hercules, der wahrscheinlich als Schutzheiligtum für Händler und Lagerhäuser diente. Neben seiner Funktion als bedeutender Viehmarkt entwickelte sich das Forum Boarium damit zu einem wichtigen Zentrum des Hercules-Kultes.


Die Ara Maxima galt als älteste Kultstätte des Areals. Dort fanden regelmäßige Opferzeremonien und Festmahle statt, die fest im gesellschaftlichen Leben verankert waren. Auch Triumphzüge römischer Feldherren führten durch dieses Gebiet und wurden häufig mit öffentlichen Feierlichkeiten am Altar verbunden.



Darüber hinaus spielte Hercules eine wichtige Rolle im privaten Leben der Händler. Wer ein erfolgreiches Geschäft oder eine gefährliche Reise überstanden hatte, brachte dem Gott traditionell einen Teil seines Gewinns als Dankopfer dar. Hercules galt dabei als Schutzpatron des Handels, der Reisen und insbesondere der Seefahrt. Aus diesem Grund entstanden im Laufe der Zeit zahlreiche weitere Kultstätten rund um die Ara Maxima, wodurch das Forum Boarium zu einem der bedeutendsten sakralen Räume Roms wurde.

Das Forum Boarium als Bühne der römischen Geschichte

Das Forum Boarium war nicht nur ein bedeutender Handelsplatz, sondern auch ein wichtiger Ort politischer, religiöser und gesellschaftlicher Ereignisse. Besondere historische Bedeutung erhielt das Areal im Jahr 264 v. Chr., als dort der erste überlieferte Gladiatorenkampf Roms stattfand. Die Söhne des Decimus Junius Brutus Pera veranstalteten zu Ehren ihres verstorbenen Vaters ein sogenanntes munus – ein aristokratisches Begräbnisritual, bei dem Gladiatoren gegeneinander kämpften. Was zunächst als funeräre Ehrenbezeugung begann, entwickelte sich später zu einem der bekanntesten Massenspektakel der römischen Welt. Dass dieses erste in den Quellen bezeugte Gladiatorenspiel am Forum Boarium stattfand, zeigt die Bedeutung des Platzes im öffentlichen Leben der frühen Republik.

Die Monumente des Forum Boarium und ihre Freilegung

Die monumentale Geschichte des Forum Boarium ist bis heute im römischen Stadtbild sichtbar. Zu den wichtigsten erhaltenen Bauwerken zählen der rechteckige Tempel des Portunus und der runde Tempel des Hercules Victor. Ein weiteres Bindeglied zum Wirtschaftsleben ist der Argentarierbogen, ein 204 n. Chr. gestifteter, architravartiger Ehrenbau der Geldwechsler und Rinderhändler.



Die Erhaltung der Tempel hängt vor allem mit ihrer späteren Nutzung als Kirchen zusammen. Ihre Freilegung erfolgte schrittweise im 19. und vor allem im 20. Jahrhundert: der Tempel des Hercules Victor wurde 1809 restauriert, der Tempel des Portunus 1916 entweiht und in den 1920er-Jahren neu geordnet. In den 1930er-Jahren wurden die umliegenden neuzeitlichen Bauten großteils abgerissen. Der Argentarierbogen blieb dagegen als Teil der Kirche San Giorgio in Velabro in das mittelalterliche und neuzeitliche Gefüge eingebunden.

Der Tempel des Hercules Victor

Tempel des Hercules Victor

Der Rundtempel wurde gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr., vermutlich um 120 v. Chr., auf Veranlassung des wohlhabenden Kaufmanns Marcus Octavius Herrenus errichtet, der möglicherweise mit Olivenöl handelte. Mit seinen ursprünglich 20 korinthischen Marmorsäulen gilt der Tempel als ältester noch erhaltener Marmorbau des antiken Rom. Geweiht war er Hercules, dem Schutzgott der Händler, worauf auch eine fragmentarisch erhaltene Inschrift mit dem Beinamen „Hercules Olivarius“ verweist.

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Das Gebäude ruht auf einem Tuffsteinfundament mit einem Durchmesser von 14,8 Metern und flachen Stufen. Auf diesem Stufenunterbau umschließt der konzentrische Säulenkranz die zentrale, zylindrische Cella. Von den ursprünglich 20 über zehn Meter hohen Marmorsäulen sind heute noch 19 erhalten. Eine Säule fehlt heute, da sie vermutlich später als Spolie beziehungsweise Baumaterial in einem anderen Bauwerk wiederverwendet wurde. Während die Wände der Cella und die Säulen noch aus der Erbauungszeit stammen, sind der originale Architrav, das ursprüngliche Dach sowie große Teile des Oberbaus heute verloren. Die Cella selbst war durch eine große Tür an der Ostseite zugänglich. Aufgrund der eleganten Formen und der griechischen Bauweise wird vermutet, dass der Architekt ein Grieche war, möglicherweise Hermodoros von Salamina.


Jahrhundertelang wurde der Tempel irrtümlich als Vestatempel bezeichnet, da er dem Rundtempel der Vesta auf dem Forum Romanum ähnelt. Im Mittelalter wurde er in eine Kirche umgewandelt, zunächst in Sanctus Stephanus Rotundus, später Santo Stefano delle Carrozze und schließlich Santa Maria del Sole. Diese Umnutzung trug wesentlich dazu bei, dass der Bau bis heute außergewöhnlich gut erhalten blieb. 

Der Tempel des Portunus

Jahrhundertelang war das Bauwerk fälschlicherweise unter dem Namen „Tempel der Fortuna Virilis“ bekannt. Heute kann es jedoch zweifelsfrei als das Heiligtum des Portunus identifiziert werden – dem Gott der Häfen, Anlegestellen und Flussübergänge. Portunus schützte an diesem strategischen Knotenpunkt nicht nur die einlaufenden Schiffe und die umliegenden Lagerhäuser. Er symbolisierte auch die allgemeine Sicherheit der Verkehrswege, von deren reibungslosem Funktionieren die wirtschaftliche Existenz und die Versorgung der gesamten Metropole abhingen.


Die Ursprünge des Heiligtums reichen weit zurück: Erste Vorläufer wurden bereits im 4. oder 3. Jahrhundert vor Christus errichtet. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. wurden im Zuge von Befestigungsarbeiten und Flutschutzmaßnahmen am Tiberufer große Terrassen angelegt. Auf einer dieser mächtigen Terrassen fand der Tempel seinen dauerhaften Platz. Das Bauwerk, das wir heute bewundern können, stammt im Wesentlichen aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts vor Christus und wurde in der Zeit zwischen 100 und 80 vor Christus vollendet.



Architektonisch präsentiert sich der Tempel des Portunus als ein klassisch rechteckiger Bau, der auf einem monumentalen Podium steht und über eine repräsentative Freitreppe an der Vorderseite zugänglich ist. 

Das Bauwerk ist aus Tuff und Travertin errichtet und war antik mit Stuck überzogen, sodass es wie Marmor wirkte. Auch der umlaufende Fries war prachtvoll aus Stuck gefertigt. 

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Der Tempel folgt dem Bautypus des sogenannten Pseudoperipteros, einer Mischform aus italischem Grundriss und griechischer Säulenordnung. Ein tetrastyler Portikus bildet die Schauseite. Hier stehen vier freistehende ionische Säulen an der Stirnseite, gefolgt von zwei weiteren freistehenden Säulen in der Tiefe. Die dahinterliegende Cella wird durch Halbsäulen gegliedert, die direkt in die Außenwände eingebunden sind. An den Längsseiten befinden sich jeweils fünf solcher Halbsäulen, an der Rückseite vier.

Der Janusbogen

Der sogenannte Janusbogen (Ianus Quadrifrons) erhebt sich am östlichen Rand des ehemaligen Forum Boarium in Rom, unweit der Kirche San Giorgio in Velabro. Bei dem monumentalen Bauwerk handelt es sich um einen spätantiken vierseitigen Durchgangsbogen aus dem 4. Jahrhundert n. Chr., dessen genaue Datierung und Widmung bis heute nicht eindeutig geklärt sind. Wahrscheinlich wurde er in der konstantinischen Zeit errichtet und möglicherweise dem vergöttlichten Kaiser Konstantin oder seinem Nachfolger Constantius II. gewidmet. Eine heute nur fragmentarisch erhaltene Weihinschrift erwähnt einen Kaiser, der einen Tyrannen besiegt habe, weshalb das Monument lange Zeit als Ehrenbogen interpretiert wurde.

Als Humanisten und Antiquaren der Renaissance das Bauwerk untersuchten, fiel ihnen seine ungewöhnliche quadratische Form mit vier gleichartigen Durchgängen auf. Wegen dieser Vierseitigkeit brachten sie den Bau mit Janus in Verbindung, dem Gott der Übergänge und Tore. So entstand in der frühen Neuzeit der Name ‚Arco di Giano‘. Tatsächlich handelt es sich um einen sogenannten Quadrifrons-Bogen, also einen vierseitigen Durchgangsbau. © Bild: Wikimedia Commons

Der Janusbogen bildet die östliche Begrenzung des ehemaligen Viehmarktes und überspannte ursprünglich eine bedeutende Straßenkreuzung im Gebiet des Velabrum. Zugleich stand er über einem Arm der Cloaca Maxima, der großen antiken Kanalisation Roms, die vom Forum Romanum in Richtung Tiber verlief. Heute geht man überwiegend davon aus, dass der Bau vor allem als monumentale überdachte Kreuzung diente. Seine vier offenen Durchgänge führten in unterschiedliche Richtungen, weshalb man ihn als „Ianus Quadrifrons“, also als vierseitigen Janusbogen, bezeichnete. Vermutlich bot das Bauwerk zugleich Händlern und Passanten einen geschützten Treffpunkt und Unterstand.


Das Monument besitzt einen Kern aus Ziegel- und Betonmauerwerk, der außen mit Marmor verkleidet wurde. Wie bei vielen Bauwerken der konstantinischen Zeit verwendete man dabei zahlreiche Spolien, also wiederverwendete Schmuckelemente älterer Monumente. Im Inneren trägt ein Kreuzgewölbe die Konstruktion. Besonders auffällig sind die zahlreichen Nischen in den Pfeilern, in denen einst Statuen aufgestellt waren. Die Schlusssteine der vier Torbögen zeigen Darstellungen weiblicher Gottheiten wie Roma, Minerva, Juno und Ceres.


Im Mittelalter wurde der Janusbogen in die Befestigungsanlagen der Familie Frangipani integriert. Erst im 19. Jahrhundert entfernte man spätere Anbauten wieder, um den antiken Zustand des Monuments weitgehend freizulegen. Dabei ging allerdings die ursprüngliche Attika verloren, da man sie irrtümlich für einen mittelalterlichen Zusatz hielt. 

Der Janusbogen in der Mitte des 18. Jahrhunderts mit seinem noch teilweise intakten Obergeschoss und den mittelalterlichen Befestigungen. Die Radierung von Giovanni Battista Piranesi dokumentiert den damaligen Forschungsstand: Im barocken Rom hielt man das Bauwerk noch für einen antiken Tempel, was sich auch in Piranesis Inschrift unten rechts als „Tempio detto volgarmente di Giano“ widerspiegelt. Erst später wurde der Bau als Ehrenbogen aus der Zeit Kaiser Konstantins identifiziert. Am linken Bildrand ist zudem der Argentarierbogen im Anschnitt zu sehen. © Bild: Wikimedia Commons

Der Argentarierbogen

Der sogenannte Argentarierbogen zählt zu den bemerkenswerten Monumenten der severischen Zeit in Rom. Streng genommen handelt es sich nicht um einen klassischen Triumphbogen, da das Bauwerk keine Gewölbekonstruktion besitzt. Stattdessen besteht es aus zwei massiven Pfeilern und einem darüberliegenden Architrav und wirkt eher wie ein monumentaler Torbau.


Errichtet wurde das Monument im Jahr 204 n. Chr. von den am Forum tätigen Geldwechslern und Viehhändlern, den sogenannten argentarii. Die Inschrift nennt Kaiser Septimius Severus, seine Frau Julia Domna sowie ihre beiden Söhne Caracalla und Geta. Vermutlich wurde das Bauwerk anlässlich des zehnjährigen Regierungsjubiläums des Kaisers oder als Dank für wirtschaftlich günstige Maßnahmen gestiftet. Anders als viele offizielle römische Ehrenbögen war der Argentarierbogen damit keine staatliche, sondern eine private Stiftung.


Der Bogen stand wohl an einem wichtigen Zugang zum Forum Boarium und markierte einen repräsentativen Eingang zum Marktviertel. Heute ist er teilweise in die Kirche San Giorgio in Velabro integriert und von deren Vorhalle überbaut. Besonders interessant ist die wechselvolle Geschichte seiner Inschriften und Reliefs: Nach dem Mord an Geta ließ Caracalla dessen Namen und Bildnisse im Rahmen einer damnatio memoriae beseitigen. Auch die Namen des Prätorianerpräfekten Plautianus und seiner Tochter Plautilla, der Ehefrau Caracallas, wurden später getilgt. So zeigt das Monument eindrucksvoll, wie politische Machtkämpfe selbst in die römische Erinnerungskultur eingriffen.

Das antike Bauwerk besteht aus einem geraden, flach gedeckten Durchgang auf zwei Pfeilern. Es ist 6,15 Meter hoch, 3,30 Meter breit und wurde aus Marmor auf einer Travertinbasis errichtet. Die Außenseite ist mit korinthischen Pilastern und Reliefs von Opferszenen geschmückt. Im Inneren sind Septimius Severus und Julia Domna auf der einen Seite sowie Caracalla auf der anderen dargestellt; die Bildnisse von Geta und Plautilla wurden nachträglich entfernt. Das Monument ist ein wichtiges Zeugnis der Selbstdarstellung der severischen Familie und der damnatio memoriae im antiken Rom. Trotz handwerklicher Mängel und einer übertriebenen Verzierung hat das Bauwerk enorme geschichtliche Bedeutung. Es zeigt beispielhaft, wie sich die Herrscherfamilie der Severer inszenierte. Gleichzeitig macht es die politischen Säuberungsaktionen und das bewusste Auslöschen von Personen aus dem kollektiven Gedächtnis im antiken Rom sichtbar. © Bild: Wikimedia Commons


BILDNACHWEIS:

  • Pieter van Bloemen, Viehmarkt vor dem Vestatempel auf dem Forum Boarium zu Rom, 1694. © Bild: Wikimedia Commons
  • WikiRomaWiki: Temple of Portunus. © Bild: Wikimedia Commons
  • Giovanni Battista Piranesi (1720–1778): Tempio detto volgarm.te di Giano. © Bild: Wikimedia Commons
  • Falk2: Janusbogen. © Bild: Wikimedia Commons
  • Daderot: Arch of Janus (Arco di Giano). © Bild: Wikimedia Commons
  • MM (Massimo Baldi}: Arco degli Argentari (Foro Boario) in der Nähe der Kirche von San Giorgio in Velabro. © Bild: Wikimedia Commons

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Die Kaiserforen

Das Forum Romanum

Geschichte des Forums Romanum

Die Wiederentdeckung des Forums Romanum

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Der Wandel des Palatins

BUCHEMPFEHLUNGEN

 

  • Filippo Coarelli: Rom. Ein archäologischer Führer. Philipp von Zabern (2000)
  • Helge Lyngby: Die Tempel der Fortuna und der Mater Matuta am Forum Boarium in Rom. Verlag Dr. Emil Ebering (1939)
  • Lawrence Richardson Jr.: A New Topographical Dictionary of Ancient Rome. Johns Hopkins University Press (1992)
  • Amanda Claridge: Rome. An Oxford Archaeological Guide. Oxford University Press (2010)
  • Maria Antonietta Tomei: The Forum Boarium in Rome. L’Erma di Bretschneider (1996)
  • Ferdinando Castagnoli: Topografia di Roma antica. Quasar (1984)
  • Platner, Samuel Ball / Ashby, Thomas: A Topographical Dictionary of Ancient Rome. Oxford University Press (1929)
  • Roberto Meneghini: Die Kaiserforen Roms. Philipp von Zabern (2015)
  • Klaus Stefan Freyberger: Das Forum Romanum: Spiegel der Stadtgeschichte des antiken Rom. Philipp von Zabern in Herder (2012)
  • Laura Aitken-Burt u.a.: Das alte Rom: Die visuelle Geschichte. ‎ Dorling Kindersley (2023)
  • James Packer u. Gilbert J. Gorski: Das Forum Romanum. Philipp von Zabern in Herder ( 2022)
  • Theodor Kissel: Das Forum Romanum: Leben im Herzen Roms. Cornelsen (2004)
  • Jessica Maier u. a.: Rom - Zentrum der Welt: Die Geschichte der Stadt in Karten, Plänen und Veduten. ‎ Theiss in Herder (2022)
  • Christoph Höcker: Reclams Städteführer Rom. Architektur und Kunst. Reclam (2020)
  • Christoff Neumeister: Das antike Rom: Ein literarischer Stadtführer. Beck (2010)
  • Henner von Hesberg: Römische Baukunst. Beck (2005)
  • Klaus Grewe: Aquädukte: Wasser für Roms Städte. Regionalia (2019)   
  • Jonathan Boardman: Rome: A Cultural History.  Interlink Books (2007)
  • Jon Coulston & Hazel Dodge: Ancient Rome: The Archaeology of the Eternal City. Oxford University School of Archaeology (2000)
  • Marco Bussagli: Rome: Art and Architecture. Konemann (2010)
  • Filippo Coarelli: Rom: Der archäologische Führer. WBG (2019)
  • Ingemar König: Caput Mundi: Rom - Weltstadt der Antike. WBG (2009)
  • Peter Connolly und Hazel Dodge: The Ancient City: Life in Classical Athens & Rome. Oxford University Press (1998)
  • Anton Henze: Kunstführer Rom. Reclam (1994)
  • Heinz-Joachim Fischer: Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur der Ewigen Stadt. DuMont (2001)
  • Karl-Joachim Hölkeskamp und Elke Stein-Hölkeskamp (Hrsg.): Erinnerungsorte der Antike. Die römische Welt. Beck (2006)