Sparta
Sparta beeindruckt nicht durch Monumentalität, sondern durch seine Stille. Die archäologischen Spuren – etwa das römische Theater, die Reste des Athena-Heiligtums oder das Menelaion – sind lediglich fragmentarisch erhalten und verlangen dem Besucher historisches Wissen ab. Ein markantes Beispiel für diese Diskrepanz zwischen Bedeutung und Befund ist das Heiligtum der Artemis Orthia: Die unscheinbaren Fundamente markieren stellvertretend jenen Ort, an dem die legendäre spartanische Härte öffentlich ritualisiert wurde. Hier wurden die Jünglinge in der Agoge unter der Geißel zu jener Härte erzogen, die zum Synonym für Sparta werden sollte.

Vor dem Eingang zur Akropolis von Sparta steht die imposante Statue des spartanischen Königs Leonidas I. Sie wurde 1968 vom griechischen Bildhauer Vassos Falireas geschaffen und erinnert an seinen heldenhaften Tod in der Schlacht bei den Thermpoylen (480 v. Chr.). Bis heute symbolisiert sie Mut, Opferbereitschaft und den unbeugsamen Freiheitswillen Spartas.
In Athen, ja selbst im vergleichsweise jungen Messene — das erst entstehen konnte, nachdem sich die Messenier der spartanischen Herrschaft entzogen hatten — erhebt sich Geschichte in Säulen, Stufen und Tempelgiebeln. Dort spricht der Stein; dort inszeniert sich Vergangenheit in sichtbarer Größe. In Sparta dagegen sucht der Blick vergebens nach Monumentalität. Die Landschaft breitet sich weit und unspektakulär aus, der Taygetos steht ruhig am Horizont, und nichts drängt sich dem Besucher auf. Was hier einmal war, liegt nicht offen zutage: keine überwältigenden Bauwerke, allenfalls ein Theater (größtenteils römischen Ursprungs). Man steht auf geschichtsträchtigem Boden und sieht doch vor allem Erde, Olivenbäume, Himmel und ein paar Fundamentreste.
Der Reisende merkt bald: Diese Stadt muss man sich vorstellen. Schon die antike Polis war, der spartanischen Lebensweise entsprechend, weniger durch monumentale Architektur geprägt als andere griechische Poleis. Thukydides bemerkte, man würde in künftigen Zeiten kaum glauben, welch Macht von hier ausgegangen sei, blieben nur Tempel und Grundrisse zurück. Spartas Größe war nie für das Auge bestimmt; sie lag im Anspruch, nicht im Monument. Sparta ist weniger ein Ort der Anschauung als ein Raum für die Imagination — und das macht seinen ganz eigenen Reiz aus.
Lage, Struktur und Zugänglichkeit der archäologischen Stätten
Die archäologischen Ruinen von Sparta liegen heute eingebettet im modernen Stadtgebiet und vermitteln eher den Eindruck einer offenen Parklandschaft als eines klassisch abgegrenzten Ausgrabungsareals. Das zentrale Ensemble bildet die Akropolis im Norden der Stadt. An ihrem Hang liegt das antike Theater, während sich südlich davon in der Ebene die Überreste der Agora erstrecken, des einstigen politischen Zentrums. Weitere Fundstellen – darunter das sogenannte Leonidaion, das traditionell als Grab des Leonidas gilt, sowie römische Bauten und Heiligtümer – liegen verstreut im heutigen Stadtgebiet und sind meist frei zugänglich.
Akropolis und Agora
Im Bereich der Akropolis und der Agora sind sichtbare Überreste religiöser, öffentlicher und privater Gebäude erhalten, die eine kontinuierliche Nutzung des Areals über fast zwei Jahrtausende belegen – von der archaischen Zeit (8. Jh. v. Chr.) bis in das 13. Jahrhundert n. Chr. Besucher können neben dem römischen Theater und dem Heiligtum der Athena Chalkioikos auch verschiedene Stoen, ein archaisches Rundgebäude sowie bedeutende Zeugnisse der christlichen Epoche besichtigen, darunter die Basilika des heiligen Nikon aus dem 10. Jahrhundert.
Diese lange Siedlungsgeschichte endete erst im 13. Jahrhundert, als die Bevölkerung das antike Areal verließ, um in die sicherere, nahegelegene Höhenburg Mystras umzusiedeln. Damit markieren die Ruinen den Übergang von der antiken Polis zum byzantinischen Lakedaimon, bevor die Stätte nach der Gründung von Mystras (1249) weitgehend verlassen wurde.
„Agora“
Der als „Agora“ bezeichnete Gebäuderest in Sparta gehört zur südwestlichen Ecke einer großen Stoa, die in den 1960er-Jahren von Chrysanthos Christou freigelegt wurde. Der Bau entstand vermutlich im 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr., wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. umgestaltet und blieb bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. in Nutzung. Unterschiedliche Mauertechniken belegen mehrere Bauphasen: Ein polygonaler Unterbau trägt aufgehende Mauern aus Kalkstein in pseudoisodomer Bauweise, also annähernd regelmäßig geschichteten Quadern mit gleich wirkenden, aber nicht exakt einheitlichen Lagen – eine Technik, die häufig bei späteren Umbauten Verwendung fand. Aufgrund der Hanglage war die Stoa wohl teilweise zweigeschossig und diente zugleich als Stützmauer.
Der Fund einer Bronzestatue der Julia Aquilia Severa zeigt die repräsentative Bedeutung des Gebäudes noch in römischer Zeit. In der Forschung wird es oft mit der von Pausanias erwähnten „Persischen Stoa“ gleichgesetzt, die an die Siege über die Perser erinnerte. Diese Identifizierung bleibt jedoch unsicher, da die Datierung überwiegend ins 4./3. Jahrhundert v. Chr. weist und eindeutige archäologische Belege für die literarisch überlieferte Ausstattung fehlen.
Die „Basilika des heiligen Nikon“
Die östlich des Theaters gelegene dreischiffige Basilika stammt vermutlich aus dem 6. bis 7. Jahrhundert (Spätantike/Frühbyzantinische Zeit). Charakteristisch sind ihre drei Apsiden im Osten, ein Narthex im Westen und ein architektonisch bedeutsames, dreiteiliges Sanktuarium. Im Hauptheiligtum befanden sich ein Synthronon (Priesterbank) mit Umgang sowie der Altar und ein Opfertisch. Während der mittelbyzantinischen Zeit wurde die Anlage um ein kreuzförmiges Gebäude erweitert. Ursprünglich wurde das Monument mit der Christuskirche identifiziert, die nach den Texten des Lebens und des Testaments des heiligen Nikon von diesem selbst im späten 10. Jahrhundert errichtet worden sein soll. Heute gilt es als die Kathedrale von Lakedaimon.
Das Heiligtum der Athena Chalkioikos
Die Überreste des Heiligtums der Athena Chalkioikos befinden sich oberhalb des römischen Theaters und markieren den einst wichtigsten Sakralbezirk der Stadt. Der Kult der Athena an dieser Stelle begann bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. Eine grundlegende Erneuerung erfolgte in der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr., seine Blütezeit erlebte das Heiligtum im 5. Jahrhundert v. Chr. In römischer Zeit nahm die Verehrung allmählich ab; im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde das Areal aufgegeben und später überbaut.
Ursprünglich gehörte der Tempel zur Kome Pitane, einem der alten Siedlungskerne Spartas. Mit der politischen Entwicklung der Stadt stieg Athena zur Schutzgöttin auf. Der Beiname „Chalkioikos“ („vom bronzenen Haus“) verweist vermutlich auf die bronzenen Tafeln mit mythologischen Darstellungen, die die Innenwände des Tempels schmückten.
Von dem Heiligtum der Athena Chalkioikos sind heute nur wenige Reste erhalten. Die Südwand besteht aus grob behauenen Konglomeratsteinen und bildet an ihrem östlichen Ende einen Winkel mit einer weiteren, gleichartig errichteten Mauer. Die Ostwand des Heiligtums ist weiter nördlich freigelegt.
Das Heiligtum spielte auch in der politischen Geschichte Spartas eine Rolle. Der Regent Pausanias, Sieger der Schlacht von Plataiai (479 v. Chr.), suchte hier Zuflucht, als er des Verrats beschuldigt wurde. Nach dem Bericht des Historikers Thukydides ließen die Ephoren den Eingang versperren und überließen ihn im Inneren dem Tod; erst kurz vor seinem Ende wurde er hinausgetragen, um das Heiligtum nicht zu entweihen.
Über seine religiöse Funktion hinaus war das Heiligtum eng mit dem öffentlichen und militärischen Leben Spartas verbunden. Es diente als Versammlungsort erwachsener Krieger und als Endpunkt von Prozessionen junger Spartaner. Zugleich wurden hier Denkmäler für militärische Siege sowie für sportliche Erfolge errichtet. Zahlreiche Votivgaben – insbesondere Terrakotta- und Bronzeobjekte – zeugen von einer lebendigen Kultpraxis, an der auch Frauen als Stifterinnen beteiligt waren.

In dem Bereich des Heiligtums wurde auch der marmorne Torso eines Hopliten gefunden, der als „Leonidas“ bekannt ist. Die Statue wird im Archäologischen Museum von Sparta ausgestellt. Die Skulptur gehört zum Strengen Stil und ist ein Werk einer lakonischen Werkstatt; möglicherweise war sie Teil einer Statuengruppe, die dem Heiligtum zugeordnet war. © Bild: Wikimedia Commons
Das „Zweinischengebäude“
Das sogenannte „Zweinischengebäude“ wurde im Osten des Akropolishügels entdeckt, zwischen dem Heiligtum der Athena Chalkioikos und der sogenannten Basilika des heiligen Nikon. Der monumentale, ost-westlich ausgerichtete Bau maß 31 × 14,5 m. Er bestand ursprünglich aus einem großen rechteckigen Hauptraum mit je einem kleineren Raum im Osten und Westen, die jeweils an der Nordseite eine halbrunde Nische besaßen – daher die Bezeichnung. Das Gebäude wurde aus Steinen, Ziegeln und Dachziegeln errichtet; zudem verwendete man marmorne Spolien älterer Akropolisbauten, darunter Inschriften. Im Laufe der Zeit kam es zu mehreren Reparaturen und Umbauten. Neuere Ausgrabungen belegen im Südteil zwei mittelbyzantinische Vorratsbehälter sowie westlich davon zwei byzantinische Zisternen.
Die Nutzung reicht von frühchristlicher Zeit bis mindestens in die mittelbyzantinische Epoche. Da das Gebäude über dem nördlichen Teil der Theater-Cavea errichtet wurde, entstand es nach Aufgabe des Theaters im 4. Jahrhundert n. Chr. Zeitweise stand es wohl in Verbindung mit der benachbarten Basilika.
Die archaische Stoa
Die Überreste einer Säulenhalle (Stoa), die bei Ausgrabungen der British School at Athens in den Jahren 1924–1925 freigelegt wurden, liegen zwischen der Südwand des Heiligtums der Athena Chalkioikos und dem antiken Theater. Die in Ost-West-Richtung orientierte Stoa verlief parallel zur Südwand des Heiligtums. Ihre Nordseite bildete eine 11 m lange Mauer mit einem 3,50 m langen Rücksprung nach Westen. Sie bestand aus unregelmäßigen, unbearbeiteten Steinen, die ohne Mörtel gesetzt wurden – unten größere, in den oberen Lagen kleinere. Die Südseite wird durch fünf Porosblöcke markiert; auf ihrer Oberseite befindet sich eine flache Vertiefung, die wohl als Basis für eine hölzerne Säule diente. Weiter südlich schneiden die Reste eines römischen Gebäudes die Nordwand der Stoa. Bei den Grabungen wurden zahlreiche Funde geborgen, darunter geometrische Keramik und Scherben bis in römische Zeit, außerdem Speerspitzen, eiserne Obeloi, Bronzeobjekte, Terrakottafiguren, Knochengeräte und weitere Artefakte.
Das Theater
Das antike Theater von Sparta liegt am Südhang des Akropolishügels. Eine Theaterexistenz seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. ist bezeugt und stand im Zusammenhang mit religiösen Festen wie den Gymnopaedien. Das heute sichtbare Bauwerk entstand jedoch wahrscheinlich in späthellenistischer oder frührömischer Zeit (um 30–20 v. Chr.) unter Einfluss des Gaius Julius Eurykles. Es zählt mit seiner Größe, Bauqualität und der Verwendung von weißem Marmor zu den bedeutendsten Theatern der Peloponnes.
Die Cavea hatte zehn untere und sechzehn obere Sitzreihen (Epitheatron) und bot rund 17.000 Zuschauern Platz. Sie umfasste eine Proedrie, eine hufeisenförmige Orchestra, ein großes Bühnengebäude (Skene) und ein Proskenion. Mächtige Stützmauern stabilisierten die Anlage. Auffällig war eine bewegliche hölzerne Skene, die auf Schienen bewegt und in der Skenothek aufbewahrt wurde. Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. erhielt das Theater eine monumentale marmorne Skene korinthischer Ordnung, finanziert durch Kaiser Vespasian. Eine beschriftete Marmorfassade dokumentierte Amtsträger und ihren cursus honorum.
Das Theater wurde bis ins späte 3. bzw. frühe 4. Jahrhundert n. Chr. genutzt. Später entstand dort eine byzantinische Siedlung, wobei Steine wiederverwendet wurden. Nach der Gründung des modernen Sparta 1834 wurden weitere Bauteile als Baumaterial entnommen.
Die byzantinische Kirche beim „Rundgebäude“
Die Kirche liegt am Südhang des Akropolishügels an der westlichen Stützmauer des sogenannten „Rundgebäudes“. Der annähernd quadratische Bau besitzt an der Ostseite drei segmentbogenförmige Apsiden. Unklar ist, ob es sich um eine Basilika oder eine Kreuzkuppelkirche handelte; der Eingang befand sich vermutlich an der Westseite. Die Mauern bestehen aus Bruchsteinen mit Ziegelfragmenten und zeigen eine umfangreiche Wiederverwendung antiker Bauteile. Das Gebäude wurde über älteren Bauresten errichtet, die teilweise integriert wurden. Mörtelspuren geben Hinweise auf das ursprüngliche Fußbodenniveau, und an der Nordwand haben sich Reste einer Wandmalerei erhalten. Die Kirche wird der mittelbyzantinischen Zeit zugeordnet.
Das „Rundgebäude“
Das „Rundgebäude“ wurde um einen natürlichen Hügel errichtet, indem eine massive, gebogene Stützmauer mit dreistufiger Basis und Orthostaten aus Konglomeratblöcken angelegt wurde. Zwischen den Steinlagen befanden sich Marmorplatten; die Innenseite bestand aus großen Bruchsteinen. Gemeinsam mit dem Hügel entstand eine Plattform, die in Antike und Spätantike unterschiedlich genutzt und mehrfach umgebaut wurde. Im Westen war sie mit einer weiteren Rundmauer verbunden, die durch eine byzantinische Kirche beschädigt wurde; im Nordosten sind römische und byzantinische Bauphasen nachweisbar. Auf der eingeebneten Hügelkuppe fanden sich u. a. eine römische Statuenbasis und 22 Steinblöcke, die konzentrisch angeordnet waren und auf eine runde Terrasse mit Kolonnade und zentraler Statue hinweisen. Ein in den Fels gehauener Zugang (Propyläen) erschloss die Anlage; südlich wurden frühchristliche Gräber und eine Opferdeponierung entdeckt.
Die Deutung des Monuments ist umstritten und reicht von einer Identifikation mit dem bei Epimenides erwähnten Rundbau über die Skias oder ein Heiligtum der Gaia bis hin zu einem Grabmonument. Neuere Forschungen datieren den Ursprung wahrscheinlich in die archaische Zeit (spätes 7.–frühes 6. Jh. v. Chr.) mit Umgestaltungen im 1. Jh. v. Chr.
Die römische Stoa
Die römische Stoa liegt im südöstlichen Bereich des Palaiokastro-Hügels und datiert in die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. (125–150 n. Chr.). In römischer Zeit bildete sie die südliche Begrenzung der Agora. Nach Forschungen der British School at Athens wird sie als zweigeschossige dorische Stoa mit einer Länge von etwa 187,6 m und einer Breite von 14,5 m rekonstruiert. Ihr westlicher Teil reicht bis nahe an das Rundgebäude, der östliche ist nördlich der spätrömischen Befestigung nachweisbar; vorgelagert verlief eine Straße. Die Südfassade war überwiegend zweigeschossig, die Nordseite eingeschossig. Außen besaß die Stoa dorische Kolonnaden, im Inneren eine korinthische. Im Ostteil befanden sich gewölbte Räume aus Bruchstein und Ziegeln. Die Bauform passte sich dem abfallenden Gelände an, was unterschiedliche Höhenlagen erklärt. An der Westseite wurden Schutzmaßnahmen durchgeführt; die freigelegte kurze Mauer gehörte vermutlich zum Obergeschoss.

© Bild: Wikimedia Commons
Das Leonidaion
Das Leonidaion ist das markanteste antike Bauwerk im modernen Sparta und gilt traditionell als das Grabmal des legendären Agiaden-Königs Leonidas I. Das im 5. Jahrhundert v. Chr. errichtete Monument beeindruckt durch seine massiven Kalksteinquader und erinnert in seiner Form an einen kleinen Tempel. Obwohl die Forschung auch eine Nutzung als Heroon in Betracht zieht, stützt sich die Identifikation auf Berichte des antiken Reiseschriftstellers Pausanias, wonach die Gebeine des Helden der Thermopylen-Schlacht vierzig Jahre nach seinem Tod hierher überführt wurden. Heute steht das Kenotaph als schlichtes, aber kraftvolles Symbol für den spartanischen Widerstandsgeist inmitten der Stadtgrenzen.

© Bild: Wikimedia Commons
Das Heiligtum der Artemis Orthia
Wer das antike Sparta verstehen will, muss den Weg zum Ufer des Eurotas finden. Nordöstlich der Akropolis, im Bereich Limnai außerhalb des einstigen Stadtzentrums, liegt das Heiligtum der Artemis Orthia, das über Jahrhunderte zu den wichtigsten religiösen Orten der Stadt zählte.
Heute sind vor allem die Grundmauern des rechteckigen Tempels sichtbar. Erhalten sind Baureste aus archaischer und späterer Zeit sowie Teile der Umfassungsmauern des Heiligtums. Zwischen den Fundamenten von Altären und Nebengebäuden lässt sich die einstige Bedeutung der Anlage noch gut nachvollziehen. Besonders eindrucksvoll ist das römische Theater aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., dessen steinerne Sitzreihen teilweise noch deutlich erkennbar sind. Es wurde um das Heiligtum herum errichtet, damit Zuschauer den berühmten Geißelungsriten der spartanischen Jünglinge beiwohnen konnten, die hier vor den Augen der Göttin ihre Standhaftigkeit bewiesen.

Die Geißelungen im Heiligtum der Artemis Orthia in Sparta waren kein willkürliches Strafritual, sondern Teil eines religiösen Initiationsbrauchs. Junge Männer mussten am Altar der Göttin Peitschenhiebe ertragen und dabei möglichst keine Schmerzen zeigen. Ziel war es, Standhaftigkeit, Selbstbeherrschung und körperliche Härte unter Beweis zu stellen – Eigenschaften, die im spartanischen Staat als grundlegend galten. Das Ritual hatte somit eine doppelte Bedeutung: religiös galt es als Weihehandlung unter dem Schutz der Göttin, gesellschaftlich markierte es den Übergang vom Jungen zum vollwertigen Bürger und Soldaten. In späterer, besonders römischer Zeit entwickelte sich die Zeremonie zunehmend zu einer öffentlichen Schau, doch ursprünglich diente sie vor allem der Initiation und der Festigung spartanischer Werte. © Bild: Wikimedia Commons
Das Menelaion
Das Menelaion thront östlich von Sparta auf dem Hügel Profitis Ilias und eröffnet einen weiten Blick über das Evrotas-Tal bis zum Taygetos-Gebirge. Zwischen dem 15. und 13. Jahrhundert v. Chr. entstanden hier drei aufeinanderfolgende mykenische Großbauten, die nach Zerstörungen durch Brand oder Erdbeben jeweils neu errichtet wurden. Die herrschaftlichen Anlagen – deren Zerstörungshorizont unter anderem durch 1974 freigelegte Skelettfunde belegt ist – werden häufig mit dem mythischen Palast des Königs Menelaos in Verbindung gebracht. Menelaos war der mythische König von Sparta und Ehemann der Helena, die in der griechischen Mythologie als schönste Frau ihrer Zeit galt. Ihre Entführung durch Paris löste den Trojanischen Krieg aus, der in den homerischen Epen – insbesondere der Ilias – überliefert ist. Nach dem Krieg sollen beide nach Sparta zurückgekehrt und später als Heroen verehrt worden sein.
Die heute sichtbaren Ruinen gehen vor allem auf die klassische Antike zurück. Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich an dieser Stelle ein Heiligtum für Menelaos und Helena. Seine monumentale Gestalt erhielt das Heroon im 5. Jahrhundert v. Chr. durch umfassende Ausbaumaßnahmen. Obwohl der Kult in hellenistischer Zeit an Bedeutung verlor, bleibt das Menelaion dank seiner eindrucksvollen Architektur und exponierten Lage eines der wichtigsten Zeugnisse spartanischer Erinnerungskultur und Traditionsbildung.

© Bild: Wikimedia Commons
BILDNACHWEIS:
- Statue of a hoplite known as Leonidas 480-470 BCE Sparta Acropolis Sanctuary of Athena Chalkioikos. © Bild: Wikimedia Commons
- Davide Mauro: Round building and roman stoa. © Bild: Wikimedia Commons
- Tomisti: Sparta Tomb of Leonidas. © Bild: Wikimedia Commons
- George E. Koronaios: The remains of the Temple of Artemis Orthia in Sparta. © Bild: Wikimedia Commons
- George E. Koronaios: The Menelaion (Sanctuary of Menelaus and Helen) in Sparta. © Bild: Wikimedia Commons

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Archäologische Stätte von Sparta
BUCHEMPFEHLUNGEN
- Andrew Bayliss: Sparta: The Rise and Fall of an Ancient Superpower. Profile Books (2025)
- Ernst Baltrusch: Sparta: Geschichte, Gesellschaft, Kultur. C.H.Beck (2024)
- Lukas Thommen: Sparta: Verfassungs- und Sozialgeschichte einer griechischen Polis. J.B. Metzler (2017)
- Niels Lobmann: Antikes Sparta: Geschichte und Kultur der Spartaner. (2018)
- Karl-Wilhelm Welwei: Sparta: Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht. Klett-Cotta (2013)
- Paul Cartledge: The Spartans. The World of the Warrior-Heroes of Ancient Greece. Knopf Doubleday Publishing Group (2004)
- Anton Powell (Hrsg.): Sparta: The Body Politic (Sparta and Its Influence). PAPERBACKSHOP UK IMPORT (2010)
- Adrian Goldsworthy: Athens and Sparta: The Rivalry That Shaped Ancient Greece. Basic Books (2026)
- Sparta: An Enthralling Overview of the Spartans and Their City-State in Ancient Greece along with the Greco-Persian Wars, Peloponnesian War, and other conflicts involving the Spartan Army. Enthralling History (2022)
- Paul Cartledge: Sparta and Lakonia: A Regional History 1300-362 BC. Routledge (2001)
- Daniel Ogden: Aristomenes of Messene: Legends of Sparta's Nemesis (Sparta and Its Influence). CLASSICAL PR OF WALES (2004)
- Lambert Schneider: DuMont Kunst Reiseführer Peloponnes: Mykenische Paläste, antike Heiligtümer und venezianische Kastelle in Griechenlands. (2011)
- Maximilian Rönnberg: Die Peloponnes: Ein archäologischer Reiseführer. Schnell & Steiner (2023)
- Patrick Schollmeyer: Die 40 bekanntesten archäologischen Stätten auf der Peloponnes. Nünnerich-Asmus (2025)
- Helmut Berve u.a.: Griechische Tempel und Heiligtümer. Hirmer (1961)
- Gottfried Gruben: Die Heiligtümer und Tempel der Griechen. Hirmer (2001)
- Ulrich Sinn: Die antiken Tempel: Geschichte, Funktionen und Archäologie (Handbuch der Archäologie) C.H. Beck
- Richard T. Neer: Kunst und Archäologie der griechischen Welt: Von den Anfängen bis zum Hellenismus. Philipp von Zabern (2013)
- Hans Günter Buchholz: Ägäische Bronzezeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (1987)
